Fahrradspiritualität

Lassen wir uns von Madeleine Delbrêl einladen, um ohne Landkarte
mit dem Fahrrad loszufahren und uns von Gott führen lassen!

„Immer weiter!“, sagst du zu uns.
Um die Richtung auf dich zu behalten,
müssen wir immer weitergehen,
selbst wenn unsere Trägheit verweilen möchte.

Du hast dir für uns
ein seltsames Gleichgewicht ausgedacht,
ein Gleichgewicht,
in das man nicht hineinkommt
und das man nicht halten kann,
es sei denn in der Bewegung,
im schwungvollen Voran.

Es ist wie mit einem Fahrrad,
das sich nur aufrecht hält, wenn es fährt;
ein Fahrrad, das schief an der Wand lehnt,
bis man sich darauf schwingt
und schnell auf der Straße davonbraust.

Die Zeit, in der wir leben,
ist gekennzeichnet von einem allgemeinen,
schwindelerregenden Ungleichgewicht.
Sobald wir uns hinsetzen, unser Leben zu betrachten,
kippt es und entgleitet es uns.

Wir können uns nur aufrecht halten,
wenn wir weitergehen,
wenn wir uns hineingeben
in den Schwung der Liebe.

Alle Heiligen, die uns als Vorbilder gegeben sind,
oder zumindest viele von ihnen,
lebten nicht ohne „Versicherung“,
einer Art „geistlicher Krankenkasse“,
die sie schützte
gegen Gefahren und Krankheit
und die sogar ihre geistlichen Kinder mit einbezog.

Sie hatten feste Gebetszeiten,
bestimmte Bußübungen,
eine ganze Sammlung von Ratschlägen und Verboten.

Aber für uns
spielt das Abenteuer deiner Gnade
in einer Zeit, die fast aus der Bahn gerät
in ihrem Drang nach Freiheit.
Uns willst du keine Landkarte geben.
Unser Weg führt durch die Nacht.
Wohin wir zu gehen haben,
erhellt sich Stück für Stück
wie durch die Lampe eines Signals.

Oft ist das Einzige, was sich sicher einstellt,
eine regelmäßige Müdigkeit aufgrund
derselben Arbeit, die jeden Tag zu tun ist,
desselben Haushalts, der wieder zu bewältigen ist,
derselben Fehler, die wir bekämpfen,
derselben Dummheiten, die wir unterlassen wollen.

Aber außerhalb dieser Gewissheit
ist alles Übrige deiner Fantasie überlassen, o Gott,
die es sich bei uns gemütlich macht.

„Gott einen Ort sichern“ Annette Schleinzer, topos taschenbücher

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